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BARRY KAY ARCHIVE
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London
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Die anderen Frauen
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Home
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Barry Kays Einführung zu diesem Buch
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Bibliografische Notizen
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Während meiner wiederholten Aufenthalte in Australien in den letzten fünfzehn Jahren beobachtete ich, daß der männliche Transvestismus in Sydney mehr und mehr in Erscheinung trat und sich eine breite transsexuelle Schicht etablierte. Mein Interesse an diesem Phänomen wuchs von einem Besuch zum anderen und jedesmal wurde ich mir stärker der ungeheuren Diskrepanz bewußt, die zwischen dieser Subkultur und der Gesellschaft, aus der sie erwachsen ist, besteht. Als Ergebnis begann ich eine Serie von Portraits zu fotografieren, die in diesem Buch vorliegt.
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In der Einführung zu seiner fotografischen sozio-anthropologischen Dokumentation, Die anderen Frauen, berichtet Barry Kay über seine Beobachtungen und Erfahrungen, die er in der umfangreichen Transgender-Gemeinschaft Sydneys sammelte. Die Fotos enstanden in den Jahren 1974-75. Die deutschsprachige Veröffentlichung erschien auf der 58. Franfurter Buchmesse im Oktober 1976. Anläßlich der Schweizer Auslieferung des Titels im Januar 1977 fand unter der Schirmherrschaft der Fotostiftung Schweiz eine Ausstellung einer dem Band entnommenen Auswahl von Fotos in der Galerie Palme in Zürich statt.
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Amanda, Claudia |
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Bis vor kurzem war es dieser Gruppe kaum möglich, auf dem konventionelllen Arbeitsmarkt unterzukommen, so daß Unterhaltungsgewerbe und Prostitution als die einzigen Bereiche übrigblieben, in denen sie ihr Leben in Sydney fristen konnte. Hier hat sich einiges zu ändern begonnen, da die Öffentlichkeit Transsexuelle zu akzeptieren lernt und ihrer Emanzipation nicht mehr die gleichen Widerstände entgegensetzt wie früher. Verglichen mit andereren internationalen Städten, erscheint Sydneys trassexuelle Gemeinschaft im Verhätnis zur Gesamtbevölkerung groß, und die Chance, eine Anstellung zu finden, ist dort beträchtlich höher als in entsprechenden Städten. Überall in der westlichen Welt existieren ähnliche Gemeinschaften oder Ghettos, und sie unterscheiden sich nicht nur nach der Personenzahl, sondern auch nach der Art kultureller Einflüsse, denen sie unterliegen. Erst die Gespräche während des Fotografierens haben mir vor Augen geführt, wie stark nationale Besonderheiten die Entwicklung dieser speziellen Subkultur gepgrägt haben.
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Paula * |
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Pepper, Wendy |
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Wenn auch das Phänomen einer wachsenden Anzahl von Männern, die unverholen alternative Rollen leben, von manchen als Indiz der fortschreitenden Annäherung von Mann und Frau gedeutet werden dürfte, so scheint doch in diesem Fall mehr dafür zu sprechen, daß es sich um eine Reaktion auf das in Australien dominante Muster der am Mann orientierten Gesellschaf handelt. Den Anthropologen ist eine solche Situation natürlich geläufig. Ruth Benedict und Margaret Mead haben vergleichende Untersuchungen an ganz unterschiedlichen Kulturen angestellt und gezeigt, wie primitive Gesellschaften den Transvestismus in seinen verschiedenen Aspekten institutionalisiert oder unterdrückt haben. Immer wieder finden sich in der Geschichte Beispiele von Transvestismus und für transsexuelle Gemeinschaften, wenngleich die Begriffe selbst relativ neu und von beschränktem Aussagewert sind, zumal da, wo Grenzlinien sich nicht eindeutig ziehen lassen. Die Terminologie ist noch weniger zutreffend, wenn man nur einen speziellen Aspekt herausstellt, z. B. die weibliche Darstellung.
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Edwina & Destiny |
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Liza |
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In Deutschland gebrauchte Magnus Hirschfeld den Begriff Transvestit zum ersten Mal in einer ausführlichen Studie zu diesem Thema («Die Transvestiten», 1925) [1]. Zusammen mit Sexualwissenschaftlern wie Krafft-Ebing und Havelock Ellis gehörte Hirschfeld zu den ersten, die dieses Gebiet erforschten [2]. Zu jener Zeit steckte das Wissen um das Problem noch in den Anfängen, und weder hormonelle noch chirurgische Behandlung war für jene verfügbar, die heute als transsexuell eingestuft werden [3]. Dieser Begriff wurde zur genaueren Unterscheidung erst 1953 von dem amerikanischen Experten Dr. Harry Benjamin eingeführt [4]. Er bezeichnet jene Personen, bei denen die Konfusion über das Geschlecht so stark ist, daß in vielen Fällen eine physische Umwandlung erforderlich wird. Berichte in den Massenmedien über "Geschlechtsumwandlung" haben diesen Bereich in den letzten Jahren weithin bekannt gemacht.
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Außerhalb medizinischer Kreise weiß man wenig über solche Veranlagungen, und selbst unter Wissenschaftlern kursieren heute noch viele Spekulationen darüber, wie bestimmte Fälle einzuordenen sind und wie man ihr Entstehen erklären soll. Auch über die wissenschaftliche Behandlung selbst existieren verschiedene Ansichten. In seinem wissenschaftlichen Bericht «The Trassexual Phenomenon», einer der gründlichsten Studien, die es zu diesem Thema heute gibt, bemüht sich Dr. Benjamin, die endlose Skala der subtilen Varianten, die unter das Phänomen fallen, analytisch zu ergründen. Er geht der Frage nach, in wieweit Erbveranlagung und Kindheitseinflüsse dafür verantwortlich sind, und regt an, die Bedeutung kultureller Unterschiede zu untersuchen.
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Sylvia * |
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Iris, Alice |
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Da in den letzten zehn Jahren der Transsexualismus in Sydney zunehmend akzeptiert wurde, wuchs auch zusehends die Bereitschaft der Transvestiten, über ihre Situation in den Medien zu sprechen. Klinisch betrachetet, ist bei ihrem Hang, sich wie das andere Geschlecht zu kleiden, eine gewisse emotionale und erotische Stimulation im Spiel sowie ein bestimmtes Maß an Konfusion über die Geschlechtsrolle. Die Identifikation mit Frauen ist ganz unterschiedlich stark, und in manchen Fällen hat das Verkleiden Fetischcharakter. Obwohl Transvestismus als ein weniger ernster Konflikt gilt als Transsexualismus, steht ein Transvestit doch kontinuierlich im Widerspruch zu der westlichen Tradition, in der die Geschlechtsrolle streng definiert bleibt. Die australische Gesellschaft besteht auf dieser Polarität der Geschlechter offensichtlich in extremem Maße. Die meisten Transvestiten neigen zu einer heterosexuellen Lebensweise und führen häufig emotional stabile Ehen, aber der Grad an Verständnis, das ihnen der Partner entgegenbringt, variiert beträchtlich. Die Mitglieder des Sea Horse Club von Sydney, einer Vereinigung von Transvestiten, haben sogar eine alphabetische Skala entwickelt, um den Grad der Toleranz zu bestimmen. "D" liegt in der Mitte der Skala und bezeichnet Feindlichkeit. Typisch dafür ist der Fall der jungen Ehefrau, die sich weigert, mit ihrem Mann zu schlafen und als Begründung angibt, sie sei nicht lesbisch. Sie bleiben nur um der Kinder willen zusammen, und es wird auf jede Weise zu verhindern gesucht, daß er seine Bedürfnissee anderswo befriedigen kann.
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Corrinne |
Sehr häufig bilden sich kunstvolle Ankleidungsrituale heraus: die Transformation kommt in stundenlanger, aufwendiger Beschäftigung mit sich selbst zustande. Obwohl man darin einfach eine Form der Rechtfertigung erblicken mag, gaben Transvestiten mehrfach an, das Ankleiden sei ein kreativer Akt, der ihnen künstlerische Befriedigung verschaffe. Ich hörte dies häufig von Frauendarstellern, dies es vorziehen, sich weder mit Transvestiten noch mit Transsexuellen zu idetifizieren.
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Jasper, Doris & Danny |
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Eines Tages lernte ich eine Gruppe kennen, die sich "The Synthetics" nannte und deren pseudo-transvestitische Aktionen in Sydney vormals berühmt gewesen waren. Das Verkleiden war bei ihnen eine Form der Satire, also dem Ursprung nach eher für Amerika typisch als für Australien. Eines der Gruppenmitglieder wurde allmählich das, was die Satire darstellte. Er ist jetzt ganz transsexuell, lebt als Frau, wird regelmäßig mit Elektrolyse und Hormonen behandelt und beabsichtigt, sich bald der Umwandlungsoperation zu unterziehen. Bei einer unserer Begegnungen erzählte er, wie sich sein Leben an zwei Zeitpunkten dadurch geändert habe, daß er sich plötzlich über etwas klar wurde. Beim ersten Mal begriff er, daß er Atheist war, obwohl er sich dem Jesuitenorden anschließen wollte. Das zweite Mal verstand er, daß er transsexuell war und sich damit beschäftigte, Satiren darauf zu machen. Jedesmal kam der Gedanke wie eine Erleuchtung und zog eine vollständige Umkehr nach sich. |
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Shona |
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Judy |
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In den letzten Jahren wurde in Sydney ein Geschlechtsänderungsprogramm durchgestezt, nach dem die Operation zur Geschlechtsumwandlung offiziell als Möglichkeit gewählt werden kann. Jeder Fall wird gründlich überprüft, die Stichhaltigkeit der Angaben des Patienten wird erforscht, und da dieses Verfahren mit vielen Gepsrächen und langen Wartezeiten verbunden ist, bevorzugen viele schon aus Furcht vor einenm negativen Ergebnis den anderen, privaten Weg zur Operation. Sie entgehen damit psychiatrischen Beratung, die den meisten nicht angenehm ist. Die Kosten für die private Operation sind beträchtlich. Ich kenne einige, die für gewisse Zeit jede Unannhemlichkeit auf sich nehmen, um für die Operation zu sparen. Das bedeutet zumeist Tag- und Nachtarbeit, häufig außerdem Prostitutuion.
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Chrystal |
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Robby, Lisa |
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Home
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In der letzten Zeit experimentieren immer mehr Jugendliche mit Hormonen. Vielleicht ist das nur ein Symptom der ganz allgemeinen leichten Zugänglichkeit von Drogen. Hormontabletten sind in Sydney bei einigen Apotheken ziemlich einfach ohne Rezept erhältlich. Ich vermute, daß eine Anzahl von Jugendlichen zur Hormonbehandlung weniger aufgrund eines transsexuellen Drangs greift als wegen der Attraktivität des luxuriösen Glanzes, den sie mit Transsexualismus verbinden. Mir kam der Gedanke, dies könne zum größten Teil durch die große Popularität hervorgerufen sein, die in Sydney die nur mit Männern besetzte Revue genießt, die Imitation eines weiblichen Steroetyps - nämlich des glanzvollen Showgirls. In der europäischen und amrikanischen Kultur liefert dieses Stereotyp die Phantasien, die den biederen häuslichen Alltag erträglicher machen; in Australien wurde diese Rolle in der letzten Zeit an Männer delegiert. Es wirft ein seltsames Licht auf die Sittenvorstellungen eines Landes, wenn das Publikum dort auf mit Begeisterung nicht auf das Original, sondern auf die synthetische Imitation reagiert.
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Einführung zur englischsprachigen Auflage und weitere Fotos >> As a Woman / The Other Women
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Magnus Hirschfeld veröffentlichte seine Studie, «Die Transvestiten - eine Untersuchung über den erotischen Verkleidungstrieb», bereits 1910 bei Alfred Pulvermacher & Co, Berlin. Erst die zweite unveränderte Auflage erschien 1925, und zwar im Ferdinand Spohr Verlag, Leipzig. Der illustrierte Begleitband, «Der erotische Verkleidungstrieb», den Hirschfeld gemeinsam mit Max Tilke zusammenstellte, wurde 1912 herausgegeben. zurück zum Text
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Tatsächlich war Magnus Hirschfeld der erste, der Transvestismus als eigenständiges unabhängiges Phänomen beschrieb. Ab 1900 finden sich im von ihm herausgegebenen «Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen» Informationen und Aufsätze zu dem Thema. zurück zum Text
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Die ersten operativen Geschlechtsumwandlungen wie auch Hormonbehandlungen wurden während der spannungsreichen Umbruchsperiode der Weimarer Republik (1919-1933) ausgeführt. Die entsprechenden Personen wurden zu der Zeit noch zu den Transvestiten gezählt. zurück zum Text
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In seinem Aufsatz «Die intersexuelle Konstitution» prägte Magnus Hirschfeld den Begriff seelischer Transsexualismus (siehe: «Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen», XXIII (1923). Seine heutige Bedeutung und Verwendung geht jedoch auf die Arbeiten von David O. Cauldwell (1949), vor allem aber auf Harry Benjamin (1953) zurück. Beide waren mit Hirschfelds Werk und seinem Beitrag zur operativen Geschlechtsumwandlung vertraut. Interessenten wird empfohlen, das «International Journal of Transgenderism«, 5 (2001) 2, zu konsultieren. zurück zum Text
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Magnus Hirschfeld
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http://www.barry-kay-archive.org/PHOTO/TT/TT_Intro_de.html
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